Dizi Lernen Lektion Drei - Ansatz, Stimmung und Artikulation

In dieser Lektion lernen wir den Ansatz von Flötenspielen bei einer Dizi. Die Mundhaltung (der Ansatz) ist etwas anders als beim Spielen einer europäischen Querflöte. (In diesem Text wird europäische Querflöten als Querflöte bezeichnet) Es gibt ein paar grundsätzliche Unterschiede zwischen Dizi:

1. die Größe des Mundloches
2. die Membrane
3. die Tonlage der Flöte
4. die Stimmung des Instruments
5. die "Sprache" des Flötenspiels


Wenn man diese grundsätzlichen Unterschiede gut versteht und sein Spiel entsprechend anpasst, sollte man kein Problem haben, so wohl Dizi als auch die europäische Querflöte zu spielen.

Das Mundloch einer Dizi ist offensichtlich viel kleiner als das einer Querflöte. Deswegen braucht man für Dizi einen schmaleren Luftstrom, um den Klang effektiv zu erzeugen. Die Konstruktion der Membrane und die höhere Tonlage der Dizi verlangen dabei einen kräftigen Luftstrom. Der Druck des Luftstroms wird durch die Verwendung des Bauchmuskels und Zwerchfells geleistet - durch das sogenannte Bauchatmen.

Nun verwenden wir unseren Bauch, um unsere Luft schneller herauszupressen. Aber wir brauchen die entsprechende stabile Öffnung, um einen gleichbleibenden Luftdruck zu gewährleiten. Dabei brauchen wir die Muskeln herum unseren Lippen.

Die meisten von uns haben kein Problem, unseren Zeigefinger unabhängig von den anderen Fingern zu bewegen. Aber die meisten von uns können die zweite Zehe unabhängig von anderen Zehen nicht bewegen, weil wir die entsprechende Muskel im Leben nie genutzt haben. Wenn wir die Fingerbewegungen der kleinen Babys betrachten, sehen wir, dass die kleine Babys ihre Finger nicht unabhängig voneinander bewegen können. Um einen Muskel beherrschen zu können muss man ihn sich im Laufe der Zeit entwickeln lassen. Unten ist eine Darstellung unserer Lippenmuskeln. Sie können das Bild anklicken, um es zu vergrößern.

Abb. 1. Muskeln im Bereich der Lippen.

Es gibt drei "Muskel-Gruppen", die zum Spielen der Dizi gebraucht werden:

1. Muskeln zum "Lächeln": Wenn wir lächeln, dehnen die Muskeln dieser Gruppe (Wangenmuskel und Mundwinkelheber) unsere Lippen zur linken sowie rechten Seite in die Breite. Diese Muskeln brauchen wir, um das Lippenloch beim Spielen zu verkleinern.

2. Muskeln zum "Schmollen": Diese Gruppe schließen die Ober- und Unterlippenmuskeln ein. Wenn wir schmollen (die Lippen nach vorn ziehen), werden die Muskeln dieser Gruppe verwendet. Natürlich spielen wir die Dizi nicht mit einer schmollenden Mundhaltung. Hier geht es nur darum, die zu verwendende Muskeln zu beschreiben. Beim Spielen der Dizi helfen diese Muskeln dabei, das Loch zwischen den Lippen nicht zu schmal und flach zu bilden. Man nutzt die Muskeln der ersten Gruppe, um eine Spannung nach der linken und der rechten Seite zu erzeugen und um ein kleines Lippenloch zu formen. Zusätzlich werden die Muskeln dieser Gruppe gebraucht, um eine zweite Spannung zu bilden, die die Lippen nach vorn zieht um so ein ovaleres Lippenloch zu bilden.

3. Muskeln zur Luftwinkelveränderung: Anderes als bei der westlichen Querflöte, verändert man, wenn man Dizi spielt, ständig den Luftwinkel angepasst an die Töne. Für Querflötenspieler ist diese Technik vielleicht fremd. Aber wir spielen Dizi mit der Beherrschung der Luftwinkel extrem bewusst. Ohne die richtige Luftwinkel erreicht man auf der Dizi keine gute Artikulation.

Um den Luftwinkel zu verändern, benötigen wir zwei Typen der Muskeln, die Vierecksmuskeln des Kinns und die Mentalismuskeln. Wir machen eine kleine Übung: Schauen Sie nach vorn - und nur nach vorn, legen Sie Ihren Hand parallel vor der Gesicht mit einem Abstand von ca. 10 cm. Legen Sie die Spitze ihres Mittelfingers auf Ihre Nase. Lassen Sie die Finger die Nase nur leicht berühren und blasen Sie (Abb. 2, links). Sie sollen fühlen, dass der Luftstrom ungefähr das Fingergrundgelenk des Mittelfingers trifft, wo der Mittelfinger mit der Hand verbunden ist. Versuchen Sie die Luft so nach unten zu blasen, dass der Luftstrom das Zentrum Ihrer Hand trifft (Abb. 2, rechts). Wenn Sie dies geschafft haben, können Sie merken, dass Sie Ihr Kinn etwas nach hinten ziehen müssen. Nun versuchen Sie Ihr Kinn so weit wie möglich nach vorn zu ziehen. Halten Sie bei dieser extremen Position. Berühren Sie mit Ihren Fingern diese Muskeln um Ihr Kinn. Sie können eine deutliche Spannung  dieser Muskeln bemerken. Das Kinn kann also nach vorn oder nach hinten gezogen werden, und so verändern wir den Luftwinkel beim Spielen.
Abb. 2. Übung für Veränderung des Luftwinkels.

Der Luftwinkel wird folgendermaßen beschrieben: Wenn wir eher horizontal nach vorn blasen, nennen wir den Winkel einen kleinen Luftwinkel. Wenn wir die Luft langsam nach unten blasen, sagen wir, dass die Luft mit größerem Winkel fließt.

Beim Flötenspielen wirken Luftwinkel und Luftmenge zusammen. Immer wenn der Luftstrom die obere Kante des Mundloches der Flöte trifft, spaltet die Kannte die Luft in zwei Ströme - ein Teil läuft nach außen, und ein Teil nach innen. Der äußere Luftstrom leistet eigentlich keinen Beitrag zur Klangbildung und führt nur zu einem luftigen Geräusch. Das Geräusch kann man als Effekt einsetzen, soll aber beim normalen Spiel vermieden werden. Unten ist eine Darstellung zur Erklärung: Wenn die Luft genau die obere Kante des Mundloches trifft, wird die Hälfte der Luft verschwendet (Abb. 3, links). Man bläst Luft deswegen mit etwas (nur ganz wenig) größerem Winkel, um den ineffektiven Teil zu reduzieren (Abb. 3, Mittel). Wenn man die Menge der Luft vergrößert und einen lauteren Ton spielt, soll der Winkel entsprechend vergrößert werden (Abb. 3, rechts).
Abb. 3. Luftwinkel und die Wirkung. Der blaue Teil bezieht sich auf den effektiven Luftstrom, und der graue Teil auf den ineffektiven.

Hier muss man aufpassen: Obwohl wir spielen mit unterschiedlichen Winkeln, drehen wir die Flöte NICHT - weder nach innen noch nach außen. Wir verwenden nur die Muskeln, um den Winkel zu verändern. Die Distanz zwischen dem Lippenloch und dem Mundloch der Flöte bleibt immer gleich.

Immer wenn ein Ton auf der Flöte gespielt wird, wird eine "Luftsäule" - eine sogenannte Stehwelle -  in der Flöte aufgebaut. Um eine Luftsäule in der Flöte aufzubauen, ist ein genau entsprechender Luftdruck Voraussetzung. Diesen Druck generiert man mit verschiedenen Luftgeschwindigkeiten, Luftmengen und entsprechende Luftwinkeln. So können wir das erste Prinzip formulieren:
1. Laute Töne brauchen mehr Luftdruck, mehr Luftmenge und einen größeren Luftwinkel.
Wenn man denselben Ton mit verschiedenen Luftwinkeln spielt, kann man die Länge der Luftsäule in einem bestimmten Bereich manipulieren. Wenn man einen langen Ton spielt, indem man seinen Luftwinkel langsam verkleinert, bekommt man den Ton immer höher aber auch mit mehr Luftgeräusch (siehe Abbildung unten). Umgekehrt, wenn man den Luftwinkel langsam vergrößert, bekommt man den Ton tiefer aber gleichzeitig auch dunkler und schwächer, weil die Kante des Mundlochs nur vom äußeren und schwächeren Luftstrom getroffen wird.
Abb. 4. Spielen mit kleinerem Luftwinkel.

Es gibt also bei jedem Ton einen idealen Luftdruck und Luftwinkel. Auf der Dizi sind sie bei jedem Ton verschieden. Man kann alle Töne auf Dizi mit nur einem festen Luftwinkel spielen. Jedoch erreicht man so keine einheitliche Klangfarbe. Die Dizi ist so gebaut, dass nur mit entsprechendem Luftwinkel die richtige Stimmung und die beste Klangfarbe erzeugt werden können. Es gilt hier das zweite Prinzip:
2. Die längere Luftsäule (die tieferen Töne in der selben Oktav) braucht immer weniger Luftdruck, mehr Luftmenge und einen größeren Luftwinkel.
Man spielt auf der Flöte in verschiedenen Oktaven. Mit demselben Fingersatz kann man den Ton in einer höheren Oktav spielen, indem man einfach die Luftgeschwindigkeit, bzw. den Luftdruck, vergrößert. Der Luftwinkel bleibt im Prinzip der gleiche. Jedoch ist die Erzeugung der Töne in der dritten Oktav sowie etwas verzwickt. Man spielt mit kleinerem Luftwinkel die Töne in der dritten Oktav. Diese Technik erleichtert beträchtlich das Spielen dieser extrem hohen Töne. Man verwendet sie auch beim Spielen der Flageolettöne (die zweite Obertöne auf der Flöte). In mancher Lehre werden die Töne von der zweiten Oktav auch mit etwa kleinerem Luftwinkel gespielt. Es ist für mich eher Geschmackssache. Eine Dizi kann für beide Spielweise gestimmt werden. Ich persönlich verwende auch beide Spielweisen, je nach den musikalischen Stilen und dem Bau des Instrumentes. Das dritte Prinzip hat deswegen zwei Versionen:
3-1. Je höher die Oktav desto mehr Luftdruck. Die dritte Oktav und die Flageolettöne (die vierten und dritten Obertöne) werden mit kleinerem Luftwinkel gespielt. 
3-2. Die höhere Oktave wird mit mehr Luftdruck aber kleinerem Luftwinkel gespielt.
Diese drei Prinzipien sind nicht nur für professionelle Spieler sondern auch für Anfänger wichtig. Anfänger brauchen selbstverständlich Zeit zur Entwicklung ihrer Muskeln, sowie Geduld und Ausdauer, um diese Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Sie vermeiden schlechte Spielgewohnheiten. Gute Kenntnisse sparen deutlich Zeit bei der Beherrschung eines Instrumentes.

Die Sprache des Musikspielens der Dizi soll hier noch kurz erklärt werden. Es gibt in der chinesischen Musik zahlreiche Musikstile. Wie jeder andere Musiktyp hat jeder Musikstil in der chinesischen Musik seine eigene "Sprache", und zwar seine eigene Weise der Artikulation und der Erzeugung der musikalischen Spannung. In den südlichen Stilen wird beispielsweise die Verwendung der Zunge vermieden. Die musikalische Spannung in solchen Stilen wird eher durch die Improvisation der Melodien und eine höhere Spielgeschwindigkeit erzeugt. Im Gegensatz dazu verwendet man in den nördlichen Stilen immer den Zungeschlag. Die musikalische Spannung erzielt man mit starkem Vibrato und der "angespannten" Tonfarbe, indem man mit schnellerem Luftstrom spielt.

Am Ende sage ich noch kurz etwas zum Auswahl des Instruments, denn ich bekomme inzwischen Emails über das Kaufen des Instruments. Eine gute Dizi unterscheidet sich deutlich von einer billig gebauten. Es ist wirklich schwer im Internet die Flöten aus China zu beurteilen. Einerseits zeigen die Verkäufer kein Originalbilder von den zu verkaufen stehenden Instrumenten. Andererseits zeigen die Bilder auch nicht genug Details, um die Instrumente beurteilen zu können. Es gibt einige sehr bekannte Baumeister für Dizi. Leider bauen sie heutzutage wegen der Forderung der billigen Instrumente auf dem Markt auch billige und schlechte Instrumente. Diese Entwicklung bedauere ich wirklich sehr. Deshalb kann ich keinen Baumeister mit guten Gewissen empfehlen. Um ein gutes Instrument zu finden, muss man sich gut auskennen und die Instrumente testen.

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